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“Grimma - die Perle des Muldentales”
Ein Stadtrundgang Teil 1

Es empfiehlt sich, ab Naturfreundehaus mit dem PKW über Beiersdorf nach Grimma zum Parkplatz an der Mulde zwischen Pöppelmannbrücke und neuer Brücke zu fahren. An dem nach der Flut von 2002 errichteten „Hochwasseranzeiger“ beginnt der Spaziergang durch die Altstadt von Grimma.
Grimma ist etwa um 1170 im Schutze einer Burg als Marktsiedlung am Muldenübergang entstanden. Die Altstadt misst von Süd nach Nord 750 Meter, in der Ost-West-Richtung 500 Meter. Nach Leipzig ist Grimma die größte Altstadt im Regierungsbezirk Leipzig. Sie stellt, nach der Flut von 2002 wiedererstanden, ein städtebauliches Kleinod dar.
Wir gehen zu Beginn zu den Resten der 1716-1719 nach Plänen von Pöppelmann errichteten Brücke, die durch die Jahrhundertflut von 2002 erheblich beschädigt und im Dezember 2002 zur gegenwärtigen Ruine gestaltet wurde. Bereits 1292 wird eine hölzerne Brücke über die Mulde erwähnt, geschützt durch eine Wasserburg, Vorläufer des Schlosses.
Vom Standort des sächsisch-polnischen Wappens bietet sich uns ein interessanter Blick auf die Giebelseite des Schlosses (Mitte 13. Jahrhundert) mit Elementen der Romanik, Gotik und Spätgotik in der Fenstergestaltung. An der Stadtmauer entlang sehen wir den Gebäudekomplex des Gymnasiums (vorher Kloster, dann eine der drei sächsischen Landesschulen).
Von der Brücke gehen wir durch die Brückenstraße zum Markt. Er wird durch das freistehende ehemalige Rathaus dominiert. Das ursprüngliche Niveau des Marktplatzes war 2 Meter niedriger. Durch mehrfache Aufschüttungen wegen der ständigen Hochwassergefahr wurde die erste Etage zum Erdgeschoß. Über die Erbauung des Rathauses (wahrscheinlich Mitte des 13. Jahrhunderts) gibt es keine genaue Kenntnis. Nach einem Brand 1538 wurde es in heutiger Gestalt errichtet und ist eines der schönsten Renaissancerathäuser Sachsens.
Bei einem Marktrundgang ist besonders erwähnenswert das Haus Nr. 11, das älteste Haus am Platz, ein Renaissancebau aus dem Jahre 1521.
Ab 1797 diente es als Druckerei des ehemaligen Leipziger Buchhändlers und Klassikerverlegers Georg Joachim Göschen (Göschenhaus). In diesem Haus wohnte und arbeitete einige Jahre Johann Gottfried Seume, der von hier aus seinen „Spaziergang nach Syrakus“ antrat.
Vom Markt aus gehen wir ein Stück in der Lorenzstraße, biegen nach links in die Augustiner-Gasse zur Klosterstraße und zum Gymnasium St. Augustin ein.
Es wurde im Stile des Historismus 1887-1891 an der Stelle der alten Landesschule errichtet. 1290 war das von Augustinermönchen errichtete Kloster mit der Klosterkirche nutzbar. Nach der Reformation wurde 1550 unter Kurfürst Moritz in den Gebäuden des Klosters die neben Meißen und Schulpforta dritte Landesschule (im 19. Jh. Fürstenschule genannt) begründet. Die Schulen hatten die Aufgabe Beamte für die Verwaltung Sachsens auszubilden. 6 Jahre lernten die Alumnen an der Landesschule und erwarben für die damalige Zeit eine einzigartige Bildung als Voraussetzung für ein Universitätsstudium bzw. eine Beamtenlaufbahn. Bedeutende Absolventen waren u.a. der Völkerrechtslehrer und schwedisch-preußische Hofgeschichtsschreiber Samuel Pufendorf und der Pfarrer und Liederdichter Paul Gerhardt (Der Mond ist aufgegangen, Nun ruhen alle Wälder).
Gleich neben dem Gymnasium befindet sich die Klosterkirche, in der Martin Luther nach 1510 mehrmals predigte. Sie hat eine wechselvolle Geschichte, war durch Brände dem Verfall preisgegeben, wurde wieder auf- und umgebaut. 1950 bis 1989 verfiel die Kirche vollends, der Dachstuhl stürzte ein. In den 90er Jahren Sanierung. Jetzt Nutzung für kulturelle Veranstaltungen. Neben der Klosterkirche steht das Heimatmuseum, die ehemalige Mädchenschule. Es steht mit seiner Rückwand auf der Stadtmauer. Unser Spaziergang führt uns jetzt durch die Paul-Gerhardt-Straße. Auch alter Jahrmarkt genannt, im 15. und 16. Jh. hielten auf dieser breiten Straße die Augustinermönche Markt. Das bekannteste Grundstück ist mit der Nr. 15 das Stollehaus.
Ferdinand Stolle war eine Grimmaer Persönlichkeit des 19. Jahrhunderts. Er war Herausgeber von Zeitungen, Autor der „Deutschen Pickwickier“. Zusammen mit Ernst Keil gab er die „Gartenlaube“ heraus, aus der später die Deutsche Familienzeitschrift wurde. Seine Gartenlaube steht ebenfalls auf der Stadtmauer.
Wir gehen weiter die Mühlenstraße entlang und kommen zur Großmühle. Sie ist eine der ältesten Mühlen Deutschlands. 1170 waren bereits die Döbener Burggrafen Besitzer der Mühle, 1194-1500 die Mönche des Klosters Zella bei Nossen, dann die Augustiner-Mönche des Klosters Grimma, nach der Reformation die Stadt. Nach 1876 im Besitz der Familie Gleisberg. Die Mühle verfügte teils über 11 Wasserräder, ab 1935 über Turbinen. Sie arbeitete als Getreide-, Brettschneide- und Ölmühle und diente der Stromerzeugung.
Vorbei an der Hängebrücke mit dem “Geldeinnehmerhäuschen” kommen wir zur Schiffsanlegestelle. Hier endet der erste Teil unseres Stadtspazierganges.

“Wanderung an der Mulde stromauwärts nach Höfgen und zurück (5,5 km)”
Ein Stadtrundgang 2. Teil

Zur Fortsetzung der Tour empfiehlt es sich eine Rast als Schiffsfahrt bis zur Anlegestelle Kloster Nimbschen einzulegen. Abfahrt ab Hängebrücke zur vollen Stunde. (Achtung! Den Schiffsführer fragen, ob die Fähre in Höfgen in Betrieb ist. Wenn nicht, bis zur Schiffsmühle fahren.)
An der Anlegestelle Kloster Nimbschen verlassen wir das Schiff und gelangen auf einem Wiesenweg zum ehemaligen Gut. Dabei unterqueren wir die Trasse der stillgelegten Muldentalbahn. Im Gut sind 1810 die geschweiften Bohlen des Daches ohne einen Nagel gefugt worden. So stehen sie noch heute.
Nach wenigen Metern sind wir an der Ruine des ehemaligen Zisterzienserinnenklosters. Es wurde 1251 gegründet und 1536 säkularisiert. 1523 flohen 9 Nonnen aus dem Kloster, unter ihnen Katharina v. Bora, die spätere Frau Luthers. Von der Klosterruine führt uns der Weg auf dem zum Fuß- und Radweg umgebauten Bahndamm durch herrlichen Wald zur Anlegestelle der Fähre nach Höfgen. An einer vielhundertjährigen Eiche ist das Fährseil befestigt. Seit dem 13. Jh. soll es eine Furt, einen Fährübergang an dieser Stelle gegeben haben. Schriftlich erstmals 1638 genannt. Nach der Überfahrt sollte das Fährhaus gewürdigt werden. Das Fundament am Giebel gegen den Strom hat die Form eines Schiffsbuges.
Von der Fähre führt uns der Weg direkt in den Ort Höfgen. Hier sollte nach den bisherigen Mühen im Gasthof „Zur Wassermühle“ Einkehr gehalten werden. Nach der Erholungspause besichtigen wir das kleine, 1275 erstmals erwähnte Dorf mit seinen Sehenswürdigkeiten. Das sind das Mühlenmuseum, gegenüber der Ökohof und die auf einem Porphyrrücken gelegene Wehrkirche. Von der Rückseite der Kirche bietet sich ein herrlicher Blick auf die Muldenaue. Von Höfgen gehen wir den Weg zum Fährhaus zurück, biegen kurz vorher nach rechts und wandern zur Schiffsmühle. Es ist ein Nachbau.
Für den Rückweg bieten sich folgende drei Möglichkeiten an:
a) Mit dem Schiff zurück zur Hängebrücke (Abfahrt zur halben Stunde).
b) Entlang der Mulde auf dem „Uferweg“ über den Rabenstein und weiter zur Hängebrücke (2,5 km).
c) Für Wanderer mit Kondition ist der Weg durch den Jutta-Park zu empfehlen. Hinter der Gaststätte geht es steil hinauf in den Park mit Wasseranlagen und Skulpturen. Eine prächtige Kastanienallee führt zum Aussichtsturm, in dem schaurig-schöne Klangphänomene zu hören sind. Hinter dem Turm gehen wir auf einem Feldweg in weitem Linksbogen zu einer Straße. Hier biegen wir links ab. Am Waldrand zweigt rechts der Mohdschägiebchenweg ab, der uns wieder hinunter zur Mulde und zum „Uferweg“ führt (3 km).
Von der Hängebrücke aus beginnt der zweite Teil des Stadtspazierganges. Wir gehen zur Großmühle und von dort durch die Töpfergasse zum Leipziger Platz. Die zweitürmige Frauenkirche, die Hauptkirche von Grimma, ist unser nächstes Ziel.
Baubeginn 1230 oder 1240, Höhe der Türme 40 Meter. Von der Frauenkirche gehen wir durch die Lange Straße zum Markt zurück. Die Lange Straße, vorwiegend als Fußgängerzone ausgebaut, sollten wir auf uns wirken lassen. Cafés laden zum Verweilen ein. Während des Stadtganges können wir durch die zahlreich angebrachten Hochwassermarken einen Eindruck von der Flutkatastrophe von 2002 und ihren Auswirkungen gewinnen. Nun führt uns unser Weg zurück zum Parkplatz.

Kontakt und Öffnungszeiten:

Gasthof „Zur Wassermühle“, Tel.: 03437/917153

Museum „Wassermühle“, Tel.: 03437/707572

Download der Wanderbeschreibung als PDF
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